Faustregel: Liegt die Feuchte an der Wandoberfläche dauerhaft über 80 %, kann Schimmel wachsen – auch ohne sichtbares Kondenswasser.
Was der Taupunkt überhaupt ist
Luft ist wie ein Schwamm, dessen Fassungsvermögen von der Temperatur abhängt: Warme Luft kann viel Wasserdampf aufnehmen, kalte fast keinen. Der Taupunkt ist die Temperatur, auf die du eine bestimmte Luftmenge abkühlen müsstest, damit dieser Schwamm vollständig gesättigt ist. Wird es noch kälter, kann die Luft das Wasser nicht mehr halten – es fällt als flüssiges Wasser aus.
In der Wohnung passiert das nicht mitten im Raum, sondern immer an der kältesten Fläche: an der Fensterscheibe, in der Zimmerecke an der Außenwand, an der Fensterlaibung, hinter dem Schrank an der Außenwand. Deshalb reicht es nicht, nur die Luftfeuchte im Blick zu haben. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Luftfeuchte und Oberflächentemperatur – und genau das rechnet dir das Werkzeug oben aus.
Warum 80 % an der Wand die eigentliche Grenze sind
Der Schimmelleitfaden des Umweltbundesamtes nennt nicht die Raumluftfeuchte als Kriterium, sondern die Feuchte unmittelbar an der Bauteiloberfläche. Dauerhaft rund 80 % relative Feuchte dort genügen den meisten Schimmelpilzarten zum Wachsen – sichtbares Kondenswasser braucht es dafür gar nicht. Das erklärt den scheinbaren Widerspruch, über den viele stolpern: Das Hygrometer im Zimmer zeigt brave 55 %, und trotzdem sitzt in der Ecke Schimmel. Ist die Ecke kalt genug, herrschen dort eben nicht 55 %, sondern 80 % und mehr.
Der praktische Weg: Miss mit einem Infrarot-Thermometer die kälteste Stelle deiner Außenwand an einem richtig kalten Tag. Trag diesen Wert oben als Wandtemperatur ein. Liegt die Feuchte an der Wand über 80 %, hast du deinen Problempunkt gefunden – und weißt auch gleich, ob du ihn über die Luftfeuchte oder nur über die Wandtemperatur in den Griff bekommst.
Taupunkt-Tabelle für die gängigen Werte
Falls du lieber nachschlägst als schiebst: Die Tabelle zeigt den Taupunkt in Grad Celsius für typische Kombinationen. Ist deine Wandoberfläche kälter als der abgelesene Wert, bildet sich dort Kondenswasser.
| Raumtemperatur | bei 40 % rF | bei 50 % rF | bei 60 % rF | bei 70 % rF | bei 80 % rF |
|---|---|---|---|---|---|
| 16 °C | 2,4 °C | 5,6 °C | 8,2 °C | 10,5 °C | 12,5 °C |
| 18 °C | 4,2 °C | 7,4 °C | 10,1 °C | 12,4 °C | 14,5 °C |
| 20 °C | 6,0 °C | 9,3 °C | 12,0 °C | 14,4 °C | 16,4 °C |
| 22 °C | 7,8 °C | 11,1 °C | 13,9 °C | 16,3 °C | 18,4 °C |
| 24 °C | 9,6 °C | 12,9 °C | 15,8 °C | 18,2 °C | 20,3 °C |
Tabelle seitlich scrollen
Tabelle seitlich scrollen
Ein Beispiel aus der Tabelle: Bei 20 °C Raumtemperatur und 60 % Luftfeuchte liegt der Taupunkt bei 12 °C. Eine gut gedämmte Außenwand hat im Winter innen vielleicht 17 °C – kein Problem. Eine ungedämmte Betonecke im Altbau kommt dagegen leicht auf 11 °C, und genau dort fängt es an.
Womit du misst
Für den Rechner brauchst du zwei Werte, und für beide gibt es günstige Geräte. Die Luftfeuchte liefert ein Hygrometer, die Wandtemperatur ein Infrarot-Thermometer. Wer den Taupunkt dauerhaft im Blick behalten will, statt gelegentlich nachzurechnen, nimmt ein Hygrometer, das ihn direkt anzeigt.
Digitales Hygrometer
Zeigt relative Luftfeuchte und Temperatur auf einen Blick – die Grundlage jeder Lüftungsentscheidung. Am besten eines pro Wohnraum, mindestens aber in Schlafzimmer und Bad.
Einschätzung: Das günstigste Gerät dieser Liste und zugleich das mit dem größten Nutzen: Ohne Messwert lüftest du nach Gefühl. Schwäche: Einfache Modelle zeigen nur den Ist-Wert ohne Verlauf – wer wissen will, wie hoch die Feuchte nachts steigt, braucht ein Modell mit Min/Max-Speicher.
- ±2–3 % genau
- Komfortanzeige
Infrarot-Thermometer
Misst berührungslos die Oberflächentemperatur von Ecken, Laibungen und Wandflächen. Kalte Stellen findest du damit in Minuten – ideal im Winter bei Frost draußen.
Einschätzung: Auf Putz und Tapete zuverlässig und unschlagbar schnell, um kalte Stellen einzukreisen. Grenzen kennen: Glänzende oder metallische Flächen wie Fensterrahmen und Heizkörper verfälschen wegen ihres niedrigen Emissionsgrads den Messwert – und Feuchte misst das Gerät gar nicht.
- berührungslos
- Ecken & Laibungen prüfen
- ±1–2 °C genau
Taupunkt-Hygrometer
Zeigt neben Temperatur und Luftfeuchte direkt den Taupunkt an und warnt bei Schimmelgefahr – die Rechenarbeit erledigt das Gerät für dich.
Einschätzung: Praktisch für die Dauerkontrolle, weil es Taupunkt-Rechnung und Warnung automatisch übernimmt. Es misst aber nur die Raumluft an seinem Standort – die kalte Wandfläche hinter dem Schrank sieht es nicht, und günstige Feuchtesensoren haben ein paar Prozentpunkte Toleranz; für den Wand-Check gehört das Infrarot-Thermometer dazu.
- Taupunkt-Anzeige
- Schimmelalarm
* Werbung/Affiliate-Link: Kaufst du über diese Links, erhalten wir eine kleine Provision vom Händler. Für dich ändert sich der Preis nicht. Mehr dazu im Impressum.
Häufige Fragen zum Taupunkt
Was ist der Taupunkt einfach erklärt?
Der Taupunkt ist die Temperatur, auf die man Luft abkühlen müsste, damit ihr Wasserdampf zu flüssigem Wasser wird. Warme Luft kann viel Wasserdampf tragen, kalte kaum. Trifft die Raumluft auf eine Fläche, die kälter ist als ihr Taupunkt, schlägt sich das Wasser dort nieder – als Beschlag am Fenster oder als Feuchtefilm an der Wand.
Bei welcher Luftfeuchtigkeit entsteht Schimmel?
Nicht die Luftfeuchte allein entscheidet, sondern die Feuchte direkt an der Wandoberfläche. Schimmelpilze brauchen dort nach dem Umweltbundesamt-Schimmelleitfaden dauerhaft rund 80 % relative Feuchte – das kann schon bei 55 % Raumluftfeuchte der Fall sein, wenn die Wand deutlich kälter ist als die Raumluft. Als praktische Obergrenze für die Raumluft gelten 60 %.
Wie berechnet man den Taupunkt?
Üblich ist die Magnus-Formel: Aus Lufttemperatur und relativer Luftfeuchte wird zunächst der aktuelle Wasserdampfdruck bestimmt und daraus die Temperatur, bei der dieser Druck dem Sättigungsdruck entspricht. Der Rechner auf dieser Seite nutzt genau diese Näherung mit den gebräuchlichen Koeffizienten für den Bereich von 0 bis 60 °C.
Wie messe ich die Temperatur meiner Wand?
Am einfachsten mit einem Infrarot-Thermometer: einmal quer über die Wand messen und auf die kälteste Stelle achten – das ist meist die Zimmerecke an der Außenwand, die Fensterlaibung oder die Fläche hinter einem Schrank. Miss an einem kalten Tag, denn dann ist der Unterschied am größten. Auf glänzenden Flächen wie Fensterrahmen misst das Gerät ungenau.
Was tue ich, wenn die Wand kälter ist als der Taupunkt?
Kurzfristig hilft beides zusammen: die Luftfeuchte durch Stoßlüften senken und die Wandoberfläche wärmer bekommen, also gleichmäßig heizen, Möbel von der Außenwand abrücken und die Luft dahinter zirkulieren lassen. Bleibt die Wand trotzdem kalt, liegt eine Wärmebrücke oder ein Dämmmangel vor – das ist ein bauliches Problem, das Lüften nicht lösen kann.